Das Jubiläums- Bauernvogelschießen 2004

 

 

  König Karl-Dietrich Osenberg mit Königin Ilse Bremicker und Fähnrich Heinz-Werner Holthaus


Pressebericht aus der Westfalenpost vom 24. Mai 2004

Hansestadt ist stolz auf ihre Bauernschützen

Breckerfeld. (OE) Traditionspflege und pulsierende Lebensfreunde sind keine Gegensätze. Das bewiesen die Bauernschützen der Hansestadt beim Festwochenende anlässlich des Jubiläums "300 Jahre Bauernvogelschießen".

Nach der Festparty am Freitag startete das eigentliche Fest des Bauernvogelschießens am Samstagmorgen mit dem Antreten der Blaukittel vor der "Stadtschänke". Angeführt von zwei Reitern ging es dann - begleitet von den Oberwälder Musikanten aus Körbecke - zum Rathaus, wo sich der Bürgermeister traditionsgemäß in den Zug einreihte. Zu Fuß ging es dann durch Wiesen und Felder zum Abholen des Fähnrichs Norbert Falkenroth in Lausberg und des Königs Bernd Allefeld in Finkenberg.

So viele Bauernschützen wie noch nie traten dann am Nachmittag auf dem Schießstand in Delle zum Schießen auf die Zehnerscheibe an. Um 17.30 Uhr standen nach dem dritten Stechen die Regenten des Jubiläumsjahres 2004 fest: König wurde Karl-Dietrich Osenberg (Bossel), Fähnrich Heinz-Werner Holthaus (Altenbreckerfeld). Damit bleiben beide Titel in der Bauernschaft Berghausen.

Bei der Krönung am Abend konnten sich die Bauernschützen mit ihrem Vorsitzenden Otmar Schnepper über ein rappelvolles Festzelt freuen. Festredner Gerhard Reibert schilderte die historischen Zusammenhänge des Bauernvogelschießens, streifte den Strukturwandel der Landwirtschaft und unterstrich die Bedeutung des Traditionsvereins für die Entwicklung der Stadt Breckerfeld. Reibert: "Dass trotz des Rückgangs der Zahl der aktiven Bauern an diesem Tag 185 Bauernschützen im Zug waren, zeigt: Die Tradition des Bauernvogelschießens lebt. Wir Breckerfelder sind stolz auf euch".

Auch Bürgermeister Klaus Baumann ließ die Bauernschützen hochleben. Baumann: "Eure Tradition ist nicht das Aufbewahren von Asche - ihr haltet die Glut des Feuers der Tradition am Glühen." Für beste Stimmung sorgten die "Stoapfälzer Spitzbuam".

Zum ökumenischen Gottesdienst am Sonntag war das Festzelt erneut voll besetzt. Die Pfarrer Gunter Urban und Volker Ziegenhagen gingen auf das Fest ein, wobei Pfarrer Ziegenhagen die Bedeutung der Landwirtschaft für den Erhalt der Schöpfung für zukünftige Generationen hervorhob und in Bezug auf die Bedeutung gelebter Traditionen deutlich machte: "Unsere Gesellschaft braucht Vereinigungen, die durch Pflege der Tradition Halt geben und Ausdauer haben, damit unser Gemeinwesen funktioniert."

Eindrucksvoll der anschließende Festzug mit vielen befreundeten Vereinen, der in einem unvergesslichen Frühschoppen im Festzelt endete.


Pressebericht aus der Westfälischen Rundschau vom 24. Mai 2004

Wir Breckerfelder sind stolz auf euch´

Breckerfeld. (sie) Es ist immer wieder ein Spiel zwischen Hoffen und Bangen, ein Moment der Emotionen und der Spannung, wenn es beim Bauernvogelschießen in die heiße Endphase geht: Noch ein Stechen, wer wird die Nerven behalten? Diesmal war es Dietrich Osenberg, der jubelnd die Arme in die Höhe riss und als neuer König vom Schießstand getragen wurde. Ein Boßeler hat im Jubiläumsjahr die Krone errungen.

Nie war die Konkurrenz so groß? gewesen, nie hatten sich so viele Bauernschützen in den Zug eingereiht: 185 Teilnehmer im Wettbewerb, ein neuer Rekord in der Geschichte des Traditionsvereins. Und etliche hatten das Rennen machen wollen im Jahr des 300-jährigen Geburtstag - auch Heinz-Werner Holthaus. Dieser wurde Zweiter und als Fähnrich bejubelt nach dem dritten Stechen in einem spannenden Wettkampf, der in eine fulminante Krönungsfeier im aus allen Nähten platzenden Festzelt mündete.

In seiner Festrede ging Gerhard Reibert als Breckerfelder Urgestein einmal mehr auf die Geschichte der Bauernschützen ein. Von der Dortmunder Fehde erzählte er, von der Verleihung der Stadtrechte an Breckerfeld durch den Grafen von der Mark und der damit verbundenen Gründung der drei großen Schützenvereine (Bauern, Bürger und Junggesellen) im Jahr 1396. Auch von der Stunde Null für viele Schützenvereine, begründet durch Friedrich I: "Die Bauernschützen sind zu Recht stolz auf die Fahne ihres Königs von 1704." Etliche Bauernschützen seien mit dem König durch die Kriege gezogen, ab 1892 dann existierten regelmäßige Aufzeichnungen über das Bauernvogelschießen. Und: "Das Brauchtum lebt heute mehr denn je", so Reibert, auch wenn es in den vergangenen Jahrzehnten einen atemberaubenden Strukturwandel gegeben hat, viele Bauern ihre Betriebe aufgegeben haben: "Die Bauernschützen stehen heute in voller Blüte. Man kann nicht stolz genug sein, was Sie für den Lebensgeist und den Bürgersinn dieser Gemeinde bedeuten." Die letzte Schlacht, so der Laudator, "haben Sie vor 30 Jahren geschlagen", erinnerte Reibert an die Zeit, als die Breckerfelder, angeführt von den Landwirten, ihren Überlebenswillen demonstriert und für die Selbstständigkeit ihrer Stadt gekämpft haben. "Das ist Ausdruck des Heimatgefühls, eine Konstante für das Selbstbewusstsein, eine besondere Attraktion für die Bevölkerung. Wir Breckerfelder sind stolz auf euch, haltet eure einmalige Tradition in Ehren!"

Darum sei ihm nicht bange, machte Vorsitzender Otmar Schnepper klar, angesichts so vieler junger Leute, die im Zug mitmarschiert sind. Bürgermeister Klaus Baumann bedankte sich bei den Bauernschaften für den schönen Schmuck entlang der Zug-Route, "das müssten Städter mal erleben, das war herrlich."

Und: "Tradition heißt nicht, Asche aufzubewahren, sondern Glut am glühen zu halten."

Es folgte die Krönung der Majestäten, bevor König Dietrich mit seiner Königin Ilse Bremicker den Tanz und lange Ballnacht eröffnete.