Aus dem Vereinsleben der Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld von 1396, anknüpfend an die Festschrift von 1979

 

von Klaus Halverscheid


Der Ablauf des Bauernvogelschießens 1979 am Samstag vollzog sich in bewährter Weise:

08:00 Uhr                     Antreten am Vereinslokal Herbert Flüs

08:15 Uhr                     Begrüßung des Stadtdirektors am Rathaus

                                     anschließend Marsch zum Abholen des Fähnrichs Lothar Bühren, Brenscheid

11:30 Uhr                    Abholen des Königs Otmar Schnepper, Epscheid

13:00 Uhr                    Marsch zum Schießstand in Ehringhausen

15:00 Uhr                    Beginn des Schießens

19:30 Uhr                    Krönung des neuen Königs im Festzelt

                                      anschließend Tanz

Das Programm am Sonntag wurde dem Jubiläum angepasst:

10:30 Uhr                     Frühschoppen (Festzelt)

                                      Bläserchor Hegering

14:30 Uhr                    Antreten zum Festzug am Festzelt

                                     Rote Husaren, Dahlerbrück

15:30 – 17:30 Uhr      Konzert und Gratulationscour

ab 19:30 Uhr                Jubiläumsball

20:00 Uhr                    Festrede des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes,

                                      Herrn Freiherr von Heeremann

 

Die musikalische Gestaltung erfolgte durch die „Sauerländer Musikanten“, Bad Berleburg.

König im Jubiläumsjahr wurde Otto Schnepper,  Fähnrich Herbert Falkenroth, beide Epscheid.

Nach der Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden, Klaus Halverscheid, hielt der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Freiherr von Heeremann die Festrede. Hieraus nachfolgend einige Sätze:

 „Wo eine Schützengemeinschaft in ihrem Namen den ehrlichen und ehrenvollen Begriff des „Bauern“ führt, dorthin kommt zum festlichen Anlaß der 275-Jahrfeier auch der Bauernpräsident gerne – und sei’s bei übervollem Terminkalender und zum leichten Mißfallen seiner Familie an einem Sonntagabend -, um Ihnen allen hier in Breckerfeld seine Reverenz zu erweisen und Sie herzlich zu beglückwünschen.

Ich tue das um so lieber bei einer Schützengemeinschaft, die eine so ehrenvolle Geschichte hat wie die Ihre, wie ich der großartigen Festschrift entnommen habe, für die allen Beteiligten Hochachtung und Gratulation gebührt;

Ich tue es auch um so lieber in einer so traditionsreichen Gemeinde wie Breckerfeld, deren Bürgersinn es verstanden hat, nicht nur den Stürmen der Jahrhunderte -, sondern sogar der, wie ich meine, häßlichen Attacke der jüngsten Kommunalreform sozusagen siegreich zu widerstehen!

Auch dazu meine Gratulation; denn ob man es nun hier und da gerne hört oder nicht: Gewiß mag insgesamt die Kommunalreform auch Positives bewirkt haben -, aber was im Übereifer, in zentralistischer Anmaßung oder in Überschätzung der großen Zahl an gewachsenen Bindungen und lebensnahem Bürgersinn vielerorts zerstört worden ist, das ist tief zu bedauern.

Um so erfreulicher ist Ihre Selbstbehauptung in Breckerfeld –

Um so erfreulicher dieses Jubiläum der Bauernschützen, deren Wirken ja von altersher auf Bürgersinn und Nachbarschaft ausgerichtet war.

Sie haben in schweren Zeiten die Mitbürger geschützt und sie haben in friedvollen Tagen ihr Leben bereichert.

So war es jahrhundertelang -,

und so ist es prinzipiell auch heute. Wenn es auch glücklicherweise heute nicht mehr um Kriegsnöte geht, so habe ich doch zu meiner Freude in einem Pressebericht gelesen, daß die Bauernschützen Breckerfeld noch im letzten Winter gegen die Schneemassen, von denen Sie hier oben immer besonders bedacht werden, aktiv gekämpft und damit erneut ihren mitbürgerlichen Sinn bewiesen haben. ...“ 

 

Jubiläum 1979 

Auf der Jubiläumsfeier 1979 trank Rudi Rutenbeck mit dem Bauernpräsidenten Brüderschaft. Zum Abschied schenkte er ihm eine Blutwurst und eine Flasche Eversbusch. Es wird erzählt, daß Rudi Rutenbeck zu einem Gegenbesuch auf der Surenburg gewesen sei.

 

Die finanziellen Voraussetzungen für das Jubiläum 1979 wurden 1976 auf Anregung von Fritz Kremer in der Scheune von Friedrich Mickenhagen-Cox geschaffen. 1976, 1977 und 1978 übernahmen die Bauernschützen die Bewirtung des Vogelschießens in eigener Regie, um die finanziellen Rücklagen für das Fest zu schaffen.

Nach den Jahren 1979 und 1980, im Festzelt, wurde 1981 erstmals in der lang ersehnten Spiel- und Sporthalle in Breckerfeld gefeiert. Befreundete Vereine übernahmen seit dieser Zeit die Bewirtung. Den Anfang machten die Deller Sänger, anschließend die Sänger der Eintracht Breckerfeld, danach die Kyffhäuser Kameradschaft und derzeit die Bürgerschützen. In den folgenden Jahren war es uns möglich, größere Anschaffungen zu tätigen. In der Zeit von 1979 bis 2003 wurden folgende Gegenstände angeschafft:

Um den Besuchern des Festes bessere Sitzmöglichkeiten zu schaffen, wurden 453 neue Stapelstühle angeschafft. Leider kamen uns von diesen Stühlen 27 Stück abhanden. Das zwang uns dazu einen Brennstempel anfertigen zu lassen. Zusätzlich schafften wir eine Möglichkeit, um unseren Besitz in der Halle diebstahlsicher unterzubringen.

Für die älteren Bauernschützen schafften wir einen neuen Wagen an. Während der „Altenwagen“ früher von Pferden gezogen wurde, stellt heute die Königsbauernschaft den Schlepper für den neuen Wagen.

 Altenwagen früher

Für die Erneuerung des Belages beim Hallenboden beteiligten wir uns ebenfalls, das Gros übernahm der damals noch amtierende Förderkreis der Spiel- und Sporthalle.

Verdiente Bauernschützen über 65 Jahre bekommen seit 1985 eine Ehrenmedaille. Ebenfalls seit 1985 bekommen die Königinnen eine Halskette mit der Medaille.

1986 schafften wir die roten Tücher mit dem dazugehörigen Knoten an. Anläßlich der 40-Jahr-Feier des Landes Nordrhein-Westfalen, an der wir uns mit einer großen Anzahl Bauernschützen und den Pferden für Hauptmann und Adjutant beteiligten, wurden erstmals die roten Tücher getragen.

Die vorhandenen Podest-Elemente der Schulen ergänzten wir auf die Größe, wie sie für den Thron gebraucht wurde. Ferner wurde ein Podest für die Musik geschaffen.

Um den Schießablauf zu verkürzen, wurde ein zweites Gewehr mit Zielfernrohr und Spektiv angeschafft.

Erwähnt werden kann noch die Anschaffung von der Adjutantenschärpe, Schärpen für Damenoffiziere und Ehrendamen, Quasten für Hauptmann und Adjutant.

1996 wurden erstmals von den Bauernschützen statt der bisher üblichen Transparente Hinweisschilder für das jeweilige Bauernvogelschießen aufgestellt. Die Befestigung wurde in der Erde einbetoniert. Es bleibt zu erwähnen, daß diese Vorrichtung mittlerweile von fast allen Breckerfelder Vereinen genutzt wird.

Seit 1988 finden jährlich die Vereinsmeisterschaften der Bauernschützen im Herbst statt.

Zum Bau des Altenwagens ist noch folgendes zu erwähnen: Fritz und Peter Kremer stellten hierfür einen alten Ladewagen zur Verfügung. An einem Samstag im Jahre 1992 schritt der Vorstand zur Tat. Der Wagen wurde vollständig entkleidet, das Gestell kam zur Firma Rademacher. Hier verbreiterte man den Boden auf die erforderliche Breite. Der amtierende König, Hermann Huster, ließ das Untergestell in seiner Firma verzinken, anschließend kam der Wagen in die Obhut von Ernst-Walter und Wolfgang Falkenroth zum Eicken. Hier bekam der Wagen einen kompletten neuen Aufbau. Den Anstrich übernahm Helmut Degen, insbesondere sein damaliger Geselle, Horst Seifert. Die Plane wurde von der Spar- und Darlehenskasse mit dem damaligen Leiter, Andreas Osthoff, gestiftet. Zu erwähnen bleibt noch, daß vor der endgültigen Fertigstellung des Wagens, bereits eine Vorstandssitzung zur Sitzprobe im Wagen stattgefunden hat. Die Sitzkissen wurden von Inge Molitor und Helga Dahlhaus gestiftet. Der Wagen wird seit der Fertigstellung bei der Familie Pfalz im Frettlöh liebevoll untergestellt.

Enweihung Altenwagen neu

Einige Begebenheiten zum Schmunzeln aus der Vergangenheit: Bei der Vorstandssitzung auf dem neuen Wagen wollte der als Gast geladene Andreas Osthoff einige Bilder machen. Er stieg dazu auf das Dach des Wagens. Beim Fotografieren rutschte er zwischen die Leisten. Hier hing er hilflos bis wir ihn befreiten. 

 


Quelle: Festschrift zum Jubiläum 2004 von Klaus Halverscheid