Presseberichte zum Bauernvogelschießen 2020

 

Auszug aus der Westfalenpost vom SAMSTAG 18. APRIL 2020

Verbot von Großveranstaltungen macht den Vereinen einen Strich durch den Veranstaltungskalender. Fröhliche Feiern im Festzelt sind nicht vorstellbar

Bis zum 31. August keine Großveranstaltungen – diese Botschaft aus der CoronaRunde der Kanzlerin mit den deutschen Ministerpräsidenten hat sämtliche Planungen der Breckerfelder Schützenvereine für die diesjährige Festsaison pulverisiert. „Da ist über uns der Himmel zusammengebrochen“ , macht Robin Bleck, Vorsitzender der Breckerfelder Junggesellschützen, aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Und auch Dirk Kückelhaus, Vorstandsmitglied der Bauernschützen, hat keine Illusionen: „Nach 70 Jahren ununterbrochener Tradition wird es wohl in diesem Jahr eine Lücke in unserer Chronik geben.“ Bürgermeister André Dahlhaus kann den Schützenvereinen ebenfalls keine Hoffnung machen, dass ihre Traditionsveranstaltungen in diesem Jahr den Veranstaltungskalender zieren werden: „Wir müssen jetzt natürlich erst einmal abwarten, was für eine Verfügung aus Düsseldorf kommt und wie Großveranstaltungen konkret definiert werden. Aber realistischer Weise muss ich sagen, dass ich mir Ende Mai nicht vorstellen kann, dass eine Veranstaltung mit 1000 Personen stattfinden kann.“ Der Breckerfelder Verwaltungschef blickt dabei zunächst auf die Festivitäten der Bauernschützen, die rund um den 23. Mai den Lebensrhythmus in der Hansestadt bestimmt hätten. „Gut Ziel“ Delle hat das Schützenfest für Mitte Mai ohnehin bereits abgesagt. Vorstand entscheidet am Sonntag. „Natürlich richten wir uns nach den Entscheidungen des Bundes“ , versichert Bauernschützen-Vorstand Kückelhaus. Am Sonntag werde der Vorstand zu einer abschließenden Entscheidung zusammenkommen. „Aber ich gehe zu 99,9 Prozent davon aus, dass wir absagen werden. Die Gesundheit geht nun einmal vor, und die beschlossenen Maßnahmen sich ja auch vollkommen richtig.“ Eine große Feier in einem Festzelt sei in diesen Tagen nun einmal nicht darstellbar. Umgekehrt wolle man den Würdenträgern natürlich auch eine besondere Feier bescheren. „Wir leben nun einmal von der Tradition, und zu unserem Fest gehört schließlich auch eine Feier“ , kann sich Kückelhaus kaum vorstellen, dass man sich auf ein Vogelschießen mit Kontaktverboten beschränkt. Dabei hofft er, dass vielleicht zumindest das interne Vereinspokalschießen im September in einem anderen Rahmen ausgetragen werden kann. Ähnliche Ideen verfolgen auch die Junggesellenschützen, die in den nächsten Tagen die Lage erörtern möchten. „Ich gehe davon aus, dass nichts stattfinden kann“ , gibt sich Vorsitzender Bleck gar keinen Illusionen hin, dass vom 24. bis 26. Juli gefeiert werden darf. „Die Gesundheit steht im Vordergrund, daher kann ich mir eine Feier im Festzelt nicht vorstellen.“ Auch ein reines Schützenduell sei in Zeiten strenger Distanzregeln kaum vorstellbar, zumal das Junggesellenschützenfest natürlich auch von seinem geselligen Rahmen lebe. Hoffen auf Vereinsmeisterschaft Dabei zeigt sich Robin Bleck erleichtert, dass die drohende Absage dem Verein mit seinen 35 Mitgliedern zumindest finanziell nicht die Beine wegreißt: „Wir erzielen mit der Veranstaltung ohnehin keine großen finanziellen Vorteile.“ Zumindest hegt der Vorsitzende noch die zarte Hoffnung, dass am letzten AugustSonntag die Vereinsmeisterschaften ausgetragen werden können. „Vielleicht können wir dabei ja noch einen Schützenkönig ausschießen, aber das müssen wir kurzfristig entscheiden.“ „Das wird in diesem Jahr ein ganz anderer Sommer werden“ , gibt sich André Dahlhaus beim Blick auf die nächsten Monate als Realist. Er persönlich hatte ursprünglich geplant, in zwei Wochen eine Seereise mit der Aida von Mallorca nach Kiel anzutreten. „Jetzt verbringe ich eben den Sommerurlaub in Breckerfeld im Garten“ , ist sich der Bürgermeister durchaus bewusst, dass es schlimmere Ferienalternativen gibt.


Auszug aus der Westfalenpost vom Dienstag 21. APRIL 2020

Traditionelles Vogelschießen abgesagt

Die Bauernschützen haben am Sonntag wie erwartet mitgeteilt, dass sie die Tradition des Bauernvogelschießens in diesem Jahr nicht fortsetzen können. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ließen keine andere Entscheidung zu. Die Gesundheit der Menschen habe höchste Priorität und mache auch vor dem schönen Fest keinen Halt, so der Vorstand. Unter den gegebenen Umständen sei es nicht möglich, den scheidenden Würdenträgern einen angemessenen Abschied zu gewährleisten noch den neuen Würdenträgern einen schönen Einstieg in die Regentschaft zu ermöglichen. Keine leichte Entscheidung Der Vorstand habe sich diese Entscheidungen nicht leicht gemacht: „Leider ist sie unvermeidlich.“ Die Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld begründen sich auf die Vergabe der Stadtrechte im Jahr 1396. Seit 1704 pflegen sie die Tradition des Bauernvogelschießens im Mai. In den letzten 70 Jahren konnte das Vogelschießen ununterbrochen stattfinden. Unterbrechungen gab es zuletzt zu Kriegszeiten in den Jahren 1915 bis 1920 und 1940 bis 1949.


Breckerfeld: Wie Bauernschützen in der Krise zusammenhalten

Auszug aus der Westfalenpost vom Samstag, 23. Mai 2020

Wolfgang Falkenroth, Vorsitzender der Breckerfelder Bauernschützen. Seit 70 Jahren ist ihr Vogelschießen nicht ausgefallen. Dieses Jahr fällt es aufgrund der Coronakrise aus.

Weil das Bauernvogelschießen ausfällt, regiert das Königspaar ein Doppeljahr. Ein kleiner Trost: Die Schützen gehen gemeinsam zum Gottesdienst.

Der heutige Samstag wäre der große Tag gewesen: Heute sollte ein neuer König für die Bauernschützen in Breckerfeld gekürt werden. „Seit 70 Jahren ist das das erste Jahr, das eine Lücke in unserer Chronik hinterlassen wird“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Falkenroth.

„Dass wir die Tradition des Bauernvogelschießens in diesem Jahr nicht fortsetzen können, ist eine Entscheidung, die der Vorstand schweren Herzens am 19. April getroffen hat; und die traurig für alle ist. Aber natürlich gehen die Gesundheit und die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus vor.“

Das erste Jahr ohne Königs-Abschied, ohne einen Abschied vom Fähnrich, ohne Zeltparty, ohne Frühschoppen. Und das erste Jahr, in dem ein Königspaar durchregiert. „Wir sind das Coronakönigspaar“, sagt Mike Braumann von der Bauernschaft Brenscheid, der zwar traurig über den Ausfall ist, aber optimistisch bleiben will: „Das wird alles nächstes Jahr nachgeholt.“

Kein angemessener Abschied

Da es unter den gegebenen Umständen nicht möglich ist, den scheidenden Würdenträgern einen angemessenen Abschied zu gewährleisten, noch den neuen Würdenträgern einen schönen Einstieg in die Regentschaft zu ermöglichen, regiert das amtierende Königspaar jetzt ein weiteres Jahr.

Die Breckerfelder haben einen traurigen Bauernschützen aufgestellt. 

„Das wir das alles nachholen können, ist schon schön“, sagt Mike Braumann. Lange Planungen seien in die Woche geflossen, „jetzt ist aber alles ausgefallen. Die Regentschaft war damit quasi eine Nullrunde.“ Und das könne man so nicht stehen lassen, findet auch der Vorsitzende Wolfgang Falkenroth.

Im Normalfall nehmen über die Tage mehrere hundert Menschen an den Veranstaltungen teil. „Allein zur Zeltparty kommen rund 400 Leute. Über die Tage verteilt sind mehr als 1000 Leute dabei.“

Hinzu kommen die ehrenamtlichen Helfer, die beim Schmücken und Dekorieren helfen. Dieses Jahr nicht möglich. Traurig, „aber da müssen wir jetzt durch, wie so viele“.

Die Gründung der Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld geht auf die Vergabe der Stadtrechte im Jahr 1396. Seit 1704 pflegen sie die Tradition im Mai am Bauernvogelschießen die amtierenden Majestäten mit einem Zug durch die Landgemeinde abzuholen und anschließend einen neuen König und Fähnrich zu ermitteln.

„Unterbrechungen dieser Tradition gab es zuletzt nur zu Kriegszeiten in den Jahren 1915 bis 1920 und 1940 bis 1949. Das Jahr 2020 wird eine Lücke in unserer Chronik hinterlassen.“

Ein Trost: Immerhin entsteht dem Verein kein finanzieller Verlust. „Wir konnten viel vom Programm auf das nächste Jahr umbuchen“, sagt der Vorsitzende dazu.

Trotzdem wollen alle in der schweren Zeit Zusammenhalt demonstrieren. „Deswegen werden wir am Sonntag gemeinsam zum Gottesdienst gehen.“

Insgesamt 45 der Bauernschützen haben sich dafür angemeldet. Platz beim Gottesdienst ist insgesamt nur für 60 Leute – wegen der Corona-Verordnungen.

Außerdem liegt vor Ort eine Liste aus, in die sich die Teilnehmer eintragen müssen. „Tatsächlich kam diese Idee zwei älteren Bauernschützen. Der Vorstand hat dann darüber abgestimmt. Wir fanden das eine tolle Idee, um uns trotz der schwierigen Situation zu präsentieren“, sagt Falkenroth. Wenn der Gottesdienst deswegen voll wird, soll im Anschluss ein Zusatzgottesdienst stattfinden. „Das ist eine schöne Aktion.“

Was den Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld jetzt noch bleibt, ist die Vorfreude auf das kommende Jahr, „wo hoffentlich alles wieder normal stattfinden kann“. Auf der eigenen Internetseite läuft für das Fest schon ein Countdown: „Noch 370 Tage.“ 370 Tage voll Vorfreude, all das nachzuholen, was wegen der Coronakrise in diesem Jahr nicht möglich war. „Jetzt beginnt das Tage zählen“, sagt auch König Mike Braumann. „Wir freuen uns.“



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