Traditionsfahnen hängen im Heimatmuseum

Artikel aus der Westfalenpost vom 27.10.2016

 

Die Traditionsfahnen der Bauernschützen der Landgemeinde Breckerfeld und des TuS Breckerfeld hängen jetzt im Heimatmuseum. In einer würdigen Feierstunde wurden sie vom Vorsitzenden der Bauernschützen, Wolfgang Falkenroth, und vom Ehrenvorsitzenden des TuS Breckerfeld, Dietmar Möller, an Johannes Dennda übergeben. Der Vorsitzende des Vereins Breckerfelder Stadtmuseum hatte zuvor im voll besetzten Museumsraum daran erinnert: „Unser Museum will durch seine Ausstellungsstücke das Leben und Geschehen in der Geschichte unserer Stadt festhalten und die Besucher daran teilhaben lassen. Die Fahnen sind mehr als ein Stück Tuch.“Eine Ansicht, die Otmar Schnepper, langjähriger Hauptmann und Vorsitzender der Bauernschützen, nur bestätigen konnte: „Ich wollte, unsere Traditionsfahne könnte erzählen.“ Genau wisse man nicht, seit wann sie die Bauernschützen bei ihren Umzügen aus Anlass des seit 1704 dokumentierten „Bauernvogelschießen“ Jahr für Jahr begleitete. Wind und Wetter haben das leinene Fahnentuch verschlissen und Farben und Darstellungen verblassen lassen. Er gehe davon aus, dass sie 300 Jahre alt sei. Otmar Schnepper: „Ursprünglich war auf der Fahne eine Schießscheibe dargestellt. Dies beweist: Die Bauernschützen haben ihre Würdenträger immer durch ein Scheibenschießen ermittelt.“ Austausch im Jahr 1969Im Jahr 1969 wurde die Traditionsfahne durch eine neue aus Seidentuch ersetzt. Auf Anregung des damaligen Vorsitzenden Herbert Berker habe der Verein die alte Fahne der Familie von August Wilhelm Spannagel (in Breckerfeld von Freunden „Auwi“ genannt) zur Aufbewahrung gegeben. Per Vertrag wurde damals vereinbart, dass sie nach der Gründung eines Heimatmuseums in Breckerfeld an dieses übergeben werden solle. Otmar Schnepper: „Ich hoffe dass unsere heutige Fahne in 300 Jahren auch einen sicheren Platz in diesem Museum haben wird.“Dietmar Möller ließ bei seinen Erläuterungen zur Vereinsfahne die Geschichte des TuS Breckerfeld einfließen: „Schon vor der offiziellen Gründung des Turnvereins Breckerfeld im Jahr 1877 bemühten sich demokratisch und liberal eingestellte Bürger um das Turnen, das damals viele Sportarten umfasste.“ In Preußen sei allerdings ab 1820 die Bildung von Turnvereinen aus politischen Gründen nicht erwünscht gewesen. „Demokraten waren nicht gern gesehen.“ Obwohl das Turnen in höheren Lehranstalten ab 1842 wieder zugelassen war, führten die politischen Wirren der Zeit um 1848 auch in unserer Region unter anderem in Iserlohn zu Aufständen, an denen auch Breckerfelder beteiligt waren. Die Demokraten der damaligen Zeit fanden sich deshalb auch in Breckerfeld zur Tarnung in Gesangvereinen zusammen. So auch in der 1859 gegründeten „Liedertafel“, deren Fahne und andere Urkunden ebenfalls im Museum ausgestellt sind. Einige der Mitglieder standen der Turnbewegung des Turnvaters Jahn nahe. Selbstbewusstsein wächstDie Reichsgründung 1871 ließ das Selbstbewusstsein auch von Breckerfeldern wachsen. Ohne Verein fanden sich vor allem Mitglieder der „Liedertafel“ zum Turnen zusammen. Möller: „Ein Brand in Windhagen im Jahr 1877 regte Bürger an zur freiwilligen Hilfeleistung, eine Feuerwehr zu gründen. Im ersten Protokollbuch der Feuerwehr finden sich auch viele der Männer, die am 20. Juli 1877 in der Gaststätte ,Zur Kapelle’ zur Gründung des Turnvereins zusammenfanden. Der Verein bekam natürlich im gleichen Jahr seine Fahne.“Im Jahr 1946 schlossen sich der „Turn- und Spielverein Breckerfeld“ und der „Skiclub Breckerfeld“ zum „Turn- und Skiclub Breckerfeld“ zusammen. Der neue „TuS“ blieb der alten Fahne treu.