Peter Heinrich Holthaus,

 

Sohn eines Bauern, später Konrektor in Schwelm, wurde am 24. September 1759 in Holthausen bei Breckerfeld geboren. Holthaus hat viel über seine Heimat geschrieben.

Eine hübsche Schilderung des Breckerfelder Schützenfestes überliefert er uns im "Hermann":

 

"Im Kirchspiel Breckerfeld ist jährlich am Sonnabend vor Johanni eine Volksvergnügung, die, dünkt mir, in einem Blatte, wie gegenwärtiges, beschrieben zu werden verdient.

Es ist eine Art Scheibenschießen. Jeder Gutsbesitzer und Gutspächter hat das Recht, Theil daran zu nehmen. Die Bewohner des Städtchens und dessen Außenbürger gehören nicht dazu. Diese haben ein besonderes Fest der Art, einen sogenannten Auszug, wie andere Städte auch wohl.

Der Bürgermeister jetzt - früher der Obervorsteher - und ein Föhrder (Föhrer, Führer) stehen an der Spitze dieses Festes, und ein Corporal, des Führers Gehilfe, sowie ein Trommelschläger (Tambur) und ein Fähnrich stehen neben demselben.

Vormittags 9 Uhr macht sich der Tambur auf, verfügt sich zum Führer und Fähnrich, und diese begeben sich zu dem Jahrs vorher gewordenen und jetzt abgehenden (Schützen-)Könige; und am Wohnort des letzteren versammeln sich, jedoch nach Belieben, die Insassen im Kirchspiel, sowie viele Hunderte andere Schaulustige. Es wird eine Menge Kugelbüchsen herbeigebracht. Jeder von den Genannten, der Lust hat, schießt nach einer zugerichteten Scheibe oder läßt einen andern für sich schießen (der dann aber nicht für sich selbst schießen darf, wenn er auch sonst ein Recht dazu hat). Wer, etwa gegen 7 Uhr, den Nagel in der Mitte des Weißen und des Leders am nächsten getroffen hat, wird zum König erklärt. Es erfolgt die Krönung desselben. Ein großer Kreis wird um ihn geschlagen; sein Hut wird bekränzt; ein kleiner Vogel und eine kleine Armbrust, durch eine Kette vereinigt, alles von Silber- und wohl sicher aus den Zeiten vor der Erfindung des Schießpulvers - auf ein verziertes weißes Tuch geheftet, wird ihm vor die Brust befestigt; die Trommel läßt sich ununterbrochen hören - die Fahne wird unzählige mal über sein Haupt geschwungen - und des Zujauchzens ist kein Ende. Endlich geht der Zug zur Wohnung des neuen Königs. Hunderte begleiten ihn. Angekommen, wird unter immer fortgesetzten Freuden-Äußerungen, der Geige und des Branntweins nicht geschont, und so geht es fort bis zum lichten Morgen.

 

Der König hat nicht allein Ehre und Ansehen, sondern auch Vortheile bei diesem Schützenspiele. Er ist ein Jahr hindurch von Hand- und Spanndiensten frei, welches besonders in den unlängstigen Kriegeszeiten sehr bedeutend war; und was die Kosten des Bewirthens betrifft, so werden ihm diese (oft reichlich) ersetzt, wenigstens ist jeder mit ihm in einer Bauernschaft wohnende Insasse zu einem Geldgeschenke verbunden.

Die Fahne hat man, was früher nicht war, auch zu einem Preise gemacht, und ihre Erlangung mit Vortheilen - ich weiß nicht genau welchen? - verbunden; der, welcher nächst dem Könige den besten Schuß thut, bekommt sie.

Ehedem waren mit diesem Schützenspiele auch Übungen im Gebrauch der Gewehre verbunden.

Einsender dieses wohnte dieser Volksbelustigung in seiner Jugend verschiedene male bei, und zu Olympia in Elis konnte kein Griechenknabe freudetrunkener seyn, als ers und seins Gespielen waren.

Ein eigentlicheres Volksfest kanns wohl nicht geben. Greise nehmen noch oft innigen Antheil daran."


Quelle: Unbekannt, aus alten Unterlagen der Bauernschützen